Mitarbeiter finden im handwerk

Das Auftragsbuch ist voll. Der Kunde will wissen, wann es losgeht. Und Sie sitzen abends am Küchentisch und rechnen sich aus, welchen Auftrag Sie diese Woche absagen müssen, weil schlicht die Leute fehlen. Nicht das Geschäft ist das Problem. Die Hände sind es.
Für viele Handwerksbetriebe ist das inzwischen der Normalfall. Man wächst, man hätte Arbeit für zwei zusätzliche Monteure, und trotzdem stehen die Stellen seit Monaten leer. Die Anzeige läuft, das Portal kostet Geld, und es meldet sich niemand. Oder es melden sich Leute, die weder den Führerschein noch die Erfahrung mitbringen, die man eigentlich braucht.
Woran liegt das? Warum funktionieren die alten Wege der Personalsuche im Handwerk nicht mehr? Und was können Sie als Inhaber konkret tun, um wieder an gute Gesellen und Monteure zu kommen, ohne dass die Suche Ihren ganzen Feierabend frisst? Genau darum geht es hier.
Grundlagen
Mitarbeiter finden im Handwerk bedeutet heute nicht mehr, eine Stelle auszuschreiben und auf Bewerbungen zu warten. Es bedeutet, gezielt Fachkräfte anzusprechen, die bereits in Arbeit sind und nur bei einem besseren Angebot wechseln. Das ist der entscheidende Unterschied zu früher.
Der Grund dafür ist einfach. Wer im Handwerk etwas kann, ist beschäftigt. Ein guter Elektriker, ein zuverlässiger Anlagenmechaniker, ein erfahrener Monteur sitzt nicht arbeitslos zu Hause und durchsucht Stellenportale. Er hat einen Job. Er wechselt nur, wenn er merkt, dass es woanders besser läuft.
Die Zahlen zeigen, wie angespannt die Lage ist. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks sind rund 250.000 Stellen im Handwerk unbesetzt, dazu kommen im Schnitt etwa 20.000 offene Ausbildungsplätze. Das ist kein kurzfristiges Tief, sondern ein struktureller Mangel, der bleibt.
Eine klassische Anzeige richtet sich an Menschen, die aktiv suchen. Genau diese Gruppe ist im Handwerk aber winzig geworden. Die wirklich guten Leute suchen nicht. Sie sind erreichbar, aber nicht über ein Portal, auf dem nur die landen, die gerade gekündigt haben oder gekündigt wurden.
Dazu kommt: Wer sich auf eine Anzeige meldet, vergleicht Sie oft parallel mit fünf anderen Betrieben. Sie stehen im Wettbewerb, meist über die Zahl unten rechts, den Stundenlohn. Ein schwacher Ausgangspunkt, wenn Sie nicht der teuerste Betrieb der Region sind.
Aktiv Suchende sind selten und oft aus einem Grund verfügbar. Passiv Suchende sind die große Mehrheit. Zufrieden genug, um zu bleiben, aber offen genug, um zu wechseln, wenn das Richtige kommt. Wer diese Gruppe erreichen will, muss dort auftauchen, wo sie ohnehin unterwegs ist, und nicht dort, wo man nach einem Job sucht.
Sobald Sie die passiv Suchenden als Zielgruppe begreifen, dreht sich die Logik um. Sie warten nicht mehr, dass jemand von sich aus auf Sie zukommt. Sie gehen aktiv dorthin, wo diese Leute ihre Zeit verbringen, und geben ihnen einen Grund, über einen Wechsel nachzudenken. Das ist mehr Arbeit vorne, bringt aber die Kandidaten, die wirklich etwas können.
Was zählt

Gute Handwerker suchen keinen Job, weil sie schon einen haben. Wer sie gewinnen will, muss ihnen also nicht zeigen, dass eine Stelle frei ist, sondern dass der eigene Betrieb der bessere Ort zum Arbeiten ist. Das ist ein anderer Ausgangspunkt als bei einer normalen Ausschreibung.
Ein Monteur, der seit Jahren im Job ist, denkt über einen Wechsel nach, wenn er sieht, dass anderswo etwas besser läuft. Das kann das Werkzeug sein, das Fahrzeug, der Ton auf der Baustelle oder ein Chef, der abends nicht am Telefon herumbrüllt. Diese Dinge entscheiden mehr als zwei Euro mehr Stundenlohn.
Viele Inhaber glauben, sie müssten beim Geld nachlegen, um attraktiv zu sein. In Wahrheit überzeugt oft etwas ganz anderes. Ordentliche Ausstattung, ein planbarer Feierabend, ein Chef, der mit anpackt, statt nur zu befehlen. Solche Punkte machen den Unterschied, weil sie den Alltag der nächsten Jahre beschreiben, nicht nur den Kontostand am Monatsende.
In einer Anzeige bleibt jede dieser Aussagen eine Behauptung. „Gutes Betriebsklima" schreiben alle. „Moderne Ausstattung" auch. Wer wechseln soll, glaubt Worten wenig. Er glaubt, was er sieht. Deshalb wirkt ein kurzes, echtes Video von Ihrer Baustelle stärker als jeder ausgefeilte Anzeigentext.
Ein wechselwilliger Monteur liest Zwischentöne. Sieht der Firmenwagen gepflegt aus oder ist er verbeult und dreckig? Wird auf der Baustelle miteinander geredet oder herumgebrüllt? Steht der Chef mit im Bild oder versteckt er sich? Diese Details sagen mehr über einen Betrieb aus als jede Aufzählung von Benefits. Genau deshalb entscheidet der echte Eindruck, nicht die Formulierung.
Der Weg

Sie erreichen Gesellen und Monteure heute am besten dort, wo sie abends ohnehin sind. Auf Instagram, Facebook und TikTok, im Umkreis Ihres Betriebs. Im Feierabend nach der Schicht entscheidet sich, ob jemand über einen Wechsel nachdenkt.
Das klingt zunächst ungewohnt, weil man Social Media selten mit dem Handwerk in Verbindung bringt. Aber der Geselle, der um 16 Uhr Werkzeug wegräumt, sitzt um 20 Uhr mit dem Handy auf dem Sofa. Dort sehen Sie ihn, wenn Sie es richtig anstellen. Nicht mit einem hochglanzpolierten Werbespot, sondern mit einem ehrlichen Blick auf Ihren Betrieb.
Ein Monteur pendelt in der Regel höchstens 40 Minuten zur Arbeit. Alles darüber hält niemand lange durch. Deshalb ergibt eine bundesweite Ausspielung keinen Sinn. Die Ansprache sollte genau in dem Radius laufen, aus dem jemand realistisch zu Ihnen fahren würde. Das spart Geld, senkt den Streuverlust und bringt Kontakte, die wirklich infrage kommen.
Der große Zeitfresser bei der Personalsuche sind die Gespräche, die nichts bringen. Jemand ruft an, hat aber keinen Führerschein, kein passendes Gewerk oder ist frühestens in einem halben Jahr verfügbar. Ein sauberer Bewerbungsablauf klärt solche Punkte vorab. Gewerk, Erfahrung, Führerschein und Verfügbarkeit werden abgefragt, bevor überhaupt jemand bei Ihnen landet.
Stockfotos von lächelnden Handwerkern durchschaut jeder sofort. Wer wechseln soll, will Ihren echten Betrieb sehen. Ihre Halle, Ihr Team, Ihr Fahrzeug, den Ton, wie miteinander geredet wird. Das ist unbequemer, weil es echte Aufnahmen braucht, aber genau deshalb wirkt es.
Rechnen
Eine unbesetzte Stelle kostet Sie fast immer mehr, als jede Personalmaßnahme kosten würde, weil jeder abgesagte Auftrag direkt verlorenen Umsatz bedeutet. Der Schmerz sitzt nicht in den Kosten der Suche, sondern in dem Geschäft, das Ihnen durch die Finger läuft.
Die meisten Inhaber betrachten Personalgewinnung als Ausgabe. Sinnvoller ist es, die andere Seite zu rechnen. Was verlieren Sie, wenn eine Stelle drei, sechs oder zwölf Monate leer bleibt? Diese Zahl übersteigt die Kosten fast jeder vernünftigen Maßnahme deutlich.
Praxisbeispiel
Nehmen Sie einen Sanitärbetrieb mit 15 Mitarbeitern, der einen zusätzlichen Monteur voll auslasten könnte. Fehlt dieser Mann, muss der Chef pro Woche im Schnitt zwei Aufträge absagen oder weit nach hinten schieben. Bei einem durchschnittlichen Auftragswert von wenigen Tausend Euro summiert sich das über Monate zu einem fünfstelligen Betrag, der schlicht nicht ins Haus kommt. Gegen diesen Verlust wirken die Kosten der Personalsuche klein.
Die Frage ist nicht, ob Ihr Betrieb groß genug ist, sondern wie viel eine leere Stelle Sie kostet. Wenn ein fehlender Monteur bedeutet, dass Sie Aufträge ablehnen, rechnet sich eine gezielte Suche in der Regel schon mit der ersten Einstellung. Betriebsgröße ist dabei zweitrangig.
Es gibt einen Kostenpunkt, den kaum jemand in die Rechnung nimmt. Fehlt Personal, springt der Inhaber ein. Sie stehen wieder mit auf der Baustelle, statt den Betrieb zu führen. Angebote, Abrechnung und die Personalsuche selbst wandern in den Abend. Das ist teuer, auch wenn es auf keiner Rechnung steht, weil Ihre Zeit als Chef die wertvollste im Betrieb ist.
Ein Punkt wird oft übersehen. Wenn dauerhaft eine Stelle fehlt, tragen Ihre bestehenden Leute die Mehrarbeit. Überstunden häufen sich, der Druck steigt, die Stimmung kippt. Am Ende riskieren Sie, dass auch gute Mitarbeiter gehen, weil ihnen die Belastung zu viel wird. Eine leere Stelle bleibt also selten allein, sie zieht Folgen nach sich.
Nicht die Suche ist teuer. Teuer ist die Stelle, die leer bleibt.
Vergleich
Jeder Weg hat seine Berechtigung, aber sie unterscheiden sich stark in Kosten und Nachhaltigkeit. Ein Personalvermittler ist schnell, aber teuer und einmalig. Eine eigene, wiederverwendbare Ansprache kostet vorab mehr Aufwand, zahlt sich aber über Jahre aus.
Ein Vermittler nimmt üblicherweise ein bis zwei Bruttomonatsgehälter je Einstellung. Beim nächsten Bedarf zahlen Sie wieder. Das kann sich lohnen, wenn Sie einmalig eine Schlüsselposition schnell besetzen müssen. Als Dauerlösung bei laufendem Bedarf wird es schnell teuer.
Stellenportale sind günstig im Einstieg, aber sie erreichen fast nur aktiv Suchende. Genau die Gruppe, die im Handwerk am kleinsten ist. Sie zahlen für Reichweite, die an den Menschen vorbeigeht, die Sie eigentlich wollen.
Aufnahmen aus Ihrem Betrieb entstehen einmal und lassen sich über Jahre weiterverwenden. Auf der Website, im Schaufenster, in weiteren Kampagnen. Der Aufwand liegt vorne, der Nutzen bleibt. Diese Videos gehören Ihnen, während eine Vermittlungsgebühr weg ist, sobald der Kandidat eingestellt ist.
Der Vermittler liefert zügig, kostet aber ein bis zwei Monatsgehälter pro Kopf und bei jedem neuen Bedarf erneut.
Portale sind billig, erreichen aber vor allem aktiv Suchende und damit selten die guten Leute.
Eigene Videos kosten Vorbereitung, laufen dann aber über Jahre und bleiben Ihr Eigentum.
Zeitrahmen
Erste Bewerbungen kommen bei einer gut gemachten Kampagne meist schon in den ersten Tagen, bis zur tatsächlichen Einstellung vergehen aber oft vier bis acht Wochen. Der Grund ist einfach. Wer wechselt, hat eine Kündigungsfrist.
Das ist wichtig zu verstehen, damit Sie realistisch planen. Kontakte und vorqualifizierte Gespräche kommen schnell. Der Mann steht aber nicht am nächsten Montag bei Ihnen auf der Baustelle, sondern nach Ablauf seiner Frist beim alten Arbeitgeber. Wer das einplant, wird nicht ungeduldig und trifft bessere Entscheidungen.
Läuft die Ansprache im richtigen Umkreis, melden sich die ersten Interessenten meist innerhalb weniger Tage. Wichtig ist, dass Sie dann schnell reagieren. Wer sich meldet und drei Tage nichts hört, ist beim nächsten Betrieb.
Zwischen erstem Gespräch und Arbeitsbeginn liegt in der Regel die Kündigungsfrist des Kandidaten. Vier bis acht Wochen sind normal. Planen Sie diesen Vorlauf ein, statt ihn als Verzögerung zu erleben.
Ein Kandidat mit ordentlicher Kündigungsfrist ist ein gutes Zeichen. Er verlässt seinen bisherigen Arbeitgeber sauber, ohne Nacht-und-Nebel-Aktion. Genau so wird er auch bei Ihnen arbeiten. Wer dagegen sofort verfügbar ist, war entweder frisch gekündigt oder hat woanders keine gute Figur gemacht. Ein wenig Wartezeit ist also oft ein Qualitätsmerkmal.
Zusammenfassung
Die Personalsuche im Handwerk hat sich grundlegend gedreht. Früher schrieb man eine Stelle aus und wählte unter den Bewerbern. Heute müssen Sie Menschen überzeugen, die eigentlich gar nicht suchen. Das gelingt nicht mit einem höheren Lohn allein, sondern damit, dass Sie zeigen, wie es bei Ihnen wirklich läuft.
Der entscheidende Hebel ist die Zielgruppe. Gute Leute sind beschäftigt, aber erreichbar, wenn Sie dort auftauchen, wo sie abends sind, und wenn Sie einen echten Grund liefern zu wechseln. Ausstattung, planbarer Feierabend, ein Chef zum Anpacken, das überzeugt mehr als eine austauschbare Anzeige.
Rechnen Sie ehrlich, was eine leere Stelle Sie kostet. In den meisten Fällen ist der Verlust durch abgesagte Aufträge größer als jede Maßnahme, mit der Sie die Stelle füllen. Und vergessen Sie Ihre eigene Zeit nicht. Solange Sie selbst einspringen müssen, führen Sie den Betrieb nicht, Sie halten ihn nur am Laufen.
Wer diese Punkte ernst nimmt, findet auch in einem angespannten Markt Leute. Nicht über Nacht, aber verlässlich. Der erste Schritt ist, aufzuhören, auf Bewerbungen zu warten, und anzufangen, die Richtigen aktiv anzusprechen.
Umsetzung
Sie müssen nicht alles auf einmal umstellen. Fangen Sie mit den Schritten an, die den größten Unterschied machen, und bauen Sie von dort aus weiter.
Wenn Sie bei der Umsetzung Unterstützung möchten, hilft Ihnen PREIHS DIGITAL, die Digitalagentur von Stefan Preihs, dabei, Ihren Online-Auftritt und Ihre digitale Personalgewinnung so aufzustellen, dass die richtigen Leute Sie finden. Wir bauen Websites und Kampagnen für Handwerksbetriebe, die zeigen, wie es bei Ihnen wirklich läuft. Melden Sie sich, wenn Sie darüber sprechen möchten.
Häufige Fragen
Gute Handwerker suchen meist nicht aktiv, deshalb erreichen klassische Anzeigen sie kaum. Sprechen Sie stattdessen gezielt Fachkräfte an, die bereits in Arbeit sind, dort wo sie abends unterwegs sind, etwa auf Instagram, Facebook oder TikTok im Umkreis Ihres Betriebs. Zeigen Sie mit echten Aufnahmen, wie es bei Ihnen läuft.
Das hängt weniger an der Betriebsgröße als daran, was eine unbesetzte Stelle Sie kostet. Wenn ein fehlender Monteur bedeutet, dass Sie Aufträge ablehnen müssen, rechnet sich die Suche oft schon mit der ersten Einstellung. Entscheidend ist der Verlust durch abgesagte Aufträge, nicht die Zahl Ihrer Mitarbeiter.
Es wirkt am stärksten, wenn Sie selbst sprechen, weil Bewerber wissen wollen, für wen sie arbeiten. Wenn das gar nichts für Sie ist, funktioniert es auch mit Ihren Mitarbeitern und Aufnahmen von der Baustelle. Wichtig ist, dass echte Menschen und echte Arbeit gezeigt werden, keine gestellten Szenen.
Erste Kontakte kommen bei einer guten Ansprache meist schon in den ersten Tagen. Bis zur tatsächlichen Einstellung vergehen erfahrungsgemäß vier bis acht Wochen, weil die meisten Kandidaten eine Kündigungsfrist beim alten Arbeitgeber einhalten müssen. Planen Sie diesen Vorlauf von Anfang an ein.
Ein Vermittler nimmt üblicherweise ein bis zwei Bruttomonatsgehälter je Einstellung, und beim nächsten Bedarf zahlen Sie erneut. Eine eigene Ansprache mit Videos verursacht den Aufwand vor allem einmal, danach lassen sich die Aufnahmen über Jahre weiter nutzen. Welcher Weg günstiger ist, hängt davon ab, wie oft Sie Stellen besetzen.
Genau weil sie nicht aktiv suchen, funktionieren Portale schlecht und Social Media gut. Gesellen und Monteure sind abends nach der Schicht ohnehin auf ihren Kanälen unterwegs. Dort sehen sie, dass es woanders besser laufen könnte, und beginnen über einen Wechsel nachzudenken. Sie müssen nur mit einem echten Blick auf Ihren Betrieb dort präsent sein.
Autor
Stefan Preihs
Gründer von Preihs Digital und dem DWP-System, Autor von „Zeitlich, örtlich, finanziell – FREI". Seit über zehn Jahren baut er für kleine und mittlere Betriebe digitale Kundengewinnung und Mitarbeitergewinnung auf.
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